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Im Zeichen des Regenbogens

Die Geschichte des Radsports in Tirol – Vom ersten Lokalrennen zur Weltmeisterschaft

aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck von Hannes Gründhammer

Wenn am 23. September mit dem Mannschaftszeitfahren die UCI Straßenrad-WM 2018 auch sportlich eröffnet wird, ist Tirol, und im speziellen Innsbruck, eine Woche lang der Nabel der Radsportwelt. Obwohl ein Event dieser Größenordnung, welches mit dem Straßenrennen der Männer in der Eliteklasse am 30. September seinen Höhenpunkt findet, noch nie in Tirol stattgefunden hat, zeigt ein Blick in die Geschichte, dass sich der Radrennsport hier zu Lande einer langen Tradition erfreut.

Veranstalter des ersten Radrennen in Tirol – Der Bicycle-Club Innsbruck
Veranstalter des ersten Radrennen in Tirol – Der Bicycle-Club Innsbruck

Wir schreiben das Jahr 1885. Der Radrennsport in Europa ist gerade äußerst beliebt. Geschwindigkeits- und Langdistanzrennen locken vor allem in Frankreich, Italien oder Belgien – den Kernländern des Radsports – große Zuschauermengen in das Stadion oder an den Streckenrand. Obwohl sich die Begeisterung in Tirol nicht mit jener in den oben genannten Staaten vergleichen konnte, fiel auch in Innsbruck der Startschuss zum ersten offiziellen Radrennen auf Tiroler Boden. Veranstaltet vom Bicycle-Club Innsbruck, mussten die Teilnehmer eine vier Kilometer lange Strecke vom Bergisel-Plateau zum Gasthof Schupfen an der Brennerstraße zurücklegen.

In den Folgejahren kam es im ganzen Land zu immer mehr und für die Fahrer immer schwierigeren Rennen. Aufgrund der Topographie ist Letzteres nicht verwunderlich. Seit Anbeginn des wettkampforientierten Radfahrens versuchten die Veranstalter stets die vielen anspruchsvollen Steigungen und Pässe, wie zum Beispiel den Brenner- oder Arlbergpass, in die diversen Routen einzubauen. Mit der Fernfahrt „Rund um die Gletscher“ wurde in Tirol ein Rennen ausgetragen, dessen Strecken- und Höhenprofil wohl selbst den Radprofis des 21. Jahrhunderts mit ihren High-End Rennmaschinen und auf Performance und Funktionalität getrimmten Ausrüstung den allergrößten Respekt einflößen würde. Nach dem Start in Innsbruck führte die Strecke über Landeck und den Finstermünzpass in den Vintschgau. Nach weiteren Stationen in Meran und Bozen ging es für das Fahrerfeld über den Brennerpass zurück in die Tiroler Landeshauptstadt, wo nach 351 Kilometern die Ziellinie überquert wurde.

Radrennfahrer während eines Wettkampfes bei Lermoos
Radrennfahrer während eines Wettkampfes bei Lermoos

Wenig verwunderlich galt Tirol in der Radrennsportszene schon damals als Mekka der Bergfahrer. Fahrer wie der aus St. Johann im Unterland stammende Josef „Sepp“ Hellensteiner, die beiden Innsbrucker Albert Oblinger und Johann Mair oder einige Jahre später der Südtiroler Richard Menapace und Hans Waroschitz aus Innsbruck genossen einen ausgezeichneten Ruf und schafften den Sprung ins Profilager. Eine Liste, die sich in der jüngeren Vergangenheit, durch Namen wie Georg Totschnigg, Thomas Rohregger oder Stefan Denifl, erweitern lässt. An dieser Stelle seien auch die „Innsbrucker Schwalben“ erwähnt. Der Verein konnte nicht nur zahlreiche nationale und internationale Erfolge feiern, sondern tat sich immer wieder als Förderer junger Radsporttalente hervor, von denen einige ihre Leidenschaft zum Beruf machen konnten.

Auch international hat sich Tirol über die Jahre einen Fixplatz im Radsportkalender erarbeitet. Jährlich gastiert die Österreich-Rundfahrt (ehemals Semperit-Rundfahrt) im Land. Auf der Etappe mit Bergankunft am Kitzbüheler Horn fällt meist die Vorentscheidung im Kampf um den Gesamtsieg der einwöchigen Rundfahrt. Selbst die Organisatoren eines der größten Etappenrennens der Welt, dem „Giro d’Italia“, wurden bereits des Öfteren auf Tirol aufmerksam. 2009 führte eine Etappe von Brixen in Südtirol über das Pustertal, den Felbertauern und den Gerlospass nach Mayerhofen im Zillertal. Einen Tag später wurde das Rennen in Innsbruck wieder aufgenommen. Mit dabei der mittlerweile in Ungnade gefallene ehemalige Radheld Lance Armstrong. 2011 gastierte der Giro erneut in Tirol. Dieses Mal wurde auf dem Weg zum Etappenziel auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe Osttirol durchquert. Auch die „Tour de Suisse“ inkludierte mehrmals die Ötztaler Gletscherstraße auf den Rettenbachferner in ihren Etappenplan und in den letzten zwei Jahren hat sich mit der „Tour of the Alps“ (ehemals „Giro del Trentino“) ein weiteres hochkarätiges Rennen fest in Tirol etabliert und den ein oder anderen Radstar angelockt.

Die „Tour of the Alps“ zu Gast in Innsbruck
Die „Tour of the Alps“ zu Gast in Innsbruck

Dass sich das Sportland Tirol seit jeher aber nicht nur für die Belange der Profiradsportler einsetzt, zeigen die vielen Austragungen von Jedermann Rennen.  Zum Beispiel wird seit 1982 der Ötztaler Radmarathon jährlich ausgetragen. Ein Rennen das mittlerweile weit über die Grenzen Tirols hinaus bekannt ist und in der regionalen, nationalen und internationalen Sportszene einen ausgezeichneten Ruf genießt. Seit 1987 organisiert der LRC Lienzer Dolomiten die Dolomitenrundfahrt mit Start und Ziel in Lienz an der Radsportler aus ganz Europa teilnehmen. Diese Liste könnte noch durch viele weitere kleinere und größere Rennen verlängert werden.
Bei all der Vorfreude und Euphorie in der Tiroler Radsportszene über die nahende UCI-Straßenrad WM 2018 wird oft vergessen, dass es in Tirol vor nicht allzu langer Zeit bereits zu Welttitelkämpfen auf zwei Rädern gekommen ist. 2013 wurden in Kirchberg im Brixental die UCI Mountainbike Marathon Weltmeisterschaften ausgetragen.

Das letzte Rennen im Rahmen der Weltmeisterschaften muss zwar erst gestartet und der Weltmeister ermittelt werden, dennoch hat sich Tirol bereits jetzt einen festen Platz in der Welt des Radsports erarbeitet. Auch wenn ein Event in dieser Größenordnung so schnell nicht mehr im Land gastieren wird, so können sich die Tiroler Radsportfreunde garantiert weiterhin auf das ein oder andere spannende Radrennen vor ihrer Haustüre freuen.
Wer mehr über die Geschichte des Radsports und die unterschiedlichen Facetten des Radfahrens in Tirol erfahren will, besucht am besten die Ausstellung „Frischluft? Freiheit! Fahrrad!“ im Zeughaus. Neben den historischen Fahrrädern ist auch ein aktuelles Rennrad des Tirol Cycling Teams ausgestellt.